Am Treibgut hängen Tampons aus der Kanalisation,
der Mississippi hat die Bourbon-Street überspült,
ein alter Zementsack spült eine junge Fut,
„Ach du lieber Gott”, stöhnen die Jungfrauen der
Heilsarmee,
und die alten Jungfern auch.
Alles geht seinen Gang, das Wasser wird abgepumpt,
ist wieder im Fluss, gebändigt bis zum
nächsten Jahr,
alle regen sich temporär auf, auch jene,
die nicht mitbekommen haben
was geschehen ist.
Der 8-Stunden-Job, eine keifende Frau
wie sie gerade die Treppe runterkommt,
mit Lockenwicklern und
vertrockneten Schlamm im Haar
die aussieht, als habe sie einen mürrischen
Tag im Bett verbracht, das und noch einiges:
die Ratenzahlungen der Kredite,
die ausstehenden Versicherungsleistungen,
der Mann und das klapprige Auto,
beide TÜV-fällig,
auch das geht seinen Gang, auch das ist im Fluss.
Doch andauernd stört der Zahn der Zeit den
Moment der Bewegung,
irgendwann trocknet die Scheiße auf
der Bourbon-Street, die junge Fut schlendert vorbei,
vor den mittlerweile wieder geöffneten
Supermärkten stehen
private Wachdienste: junge Männer,
gutaussehend, kräftige Figur,
enge Uniform, Knarre, Knackarsch.
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Großstadt – Gedicht
Die Stadt fließt. Aber sie ist von Barrieren
durchsetzt.
Sie schafft sich ihre Viertel und
entwickelt Eigendynamik.
Es gibt keine Stadt als Ganzes, alles ist
zusammengesetzt, quasi in der Mitte
gebündelt, atomar komprimiert, und der
Rest wird von außen angefügt, wie bei
einem Schneeball, den man langsam einen
Abhang runterrollen lässt.